Sonntag, 4. August 2019

Zum 50. Todestag von Theodor W. Adorno

1967 hält Theodor W. Adorno den Vortrag „Aspekte des neuen Rechtsradikalismus“ in Wien. Warum dieser Text heute von „frappierender Aktualität“ ist, erklärt der Historiker und Rechtsextremismus-Forscher Volker Weiß.
Hintergrund von Adornos Vortrag 1967 sind die Wahlerfolge der jungen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) bei einigen Landtagswahlen Mitte der 60er Jahre. „Wenn man seine Analyse und Beschreibung des Zeitgeschehens liest, dann stellt man fest, dass die Dinge einem heute sehr bekannt vorkommen“, meint der Historiker und Rechtsextremismus-Forscher Volker Weiß, „das liegt unter anderem auch daran, dass sich bestimmte Rahmenbedingungen, bei allem gesellschaftlichen Wandel, nicht verändert haben.“

 https://www.deutschlandfunkkultur.de/zum-50-todestag-von-theodor-w-adorno-was-tun-gegen.2162.de.html?dram:article_id=455426

Faschismus als Wundmale einer unzulänglichen Demokratie

So bezeichnet Adorno die faschistischen Bewegungen damals  als „Wundmale, als Narben einer Demokratie, die ihrem eigenen Begriff bis heute noch nicht voll gerecht wird“.
„Da geht es um die nicht eingelösten Versprechen des Liberalismus seit dem 19. Jahrhundert“, so Weiß. Denn der habe in Aussicht gestellt, die Ständegesellschaft aufzubrechen und eine Gesellschaft einzurichten, in der jeder seines eigenen Glückes Schmied sein könne. „Und dieses Versprechen kann er gleichzeitig nicht halten“, führt Weiß aus, „er kann keinen wirtschaftlichen und politischen Rahmen bieten, in dem das zutrifft. Wir können das ganz konkret sehen: Die AfD hat begonnen und war auch sehr erfolgreich mit einer Agitation gegen die Europäische Union. Die wurde angegriffen als demokratisch nicht legitimiert. Und das Problem ist: In den bürokratischen Apparaten gibt es Demokratie-Defizite. Da dominiert letztlich die Verwaltung über die Mitbestimmung.“
Das Gleiche gelte mit Blick auf die Schere von Arm und Reich, die global, aber auch in den europäischen Ländern, immer weiter auseinander klaffe. „Hier wird das Versprechen auf ökonomische Teilhabe immer weniger eingelöst. Das sind Elemente von Realität, die von der rechten Propaganda aufgenommen werden.“

Rechtsradikalismus lebt von Propaganda-Spirale

Adorno weist der Propaganda eine Schlüsselfunktion zu. Charakteristisch für den Rechtsradikalismus sei „eine außerordentliche Perfektion der propagandistischen Mittel“. Dass Adorno sie sogar als „Substanz rechtsradikaler Politik“ begreift, hält Weiß für zutreffend:
„Die rechten Bewegungen leben von der Überbietung. Jenseits des permanenten Trommelns fällt diese Art der Politik ganz schnell in sich zusammen. Das ist eine alte Erfahrung. Das Institut für Sozialforschung hat das schon in der 40er Jahren nachgewiesen. Leo Löwenthal hat zum Beispiel mit den „Falschen Propheten“ eine hervorragende Arbeit dazu vorgelegt und nachgewiesen, wie rechte Propaganda – und damit die ganze rechte Politik – systematisch davon lebt, ihre Adressaten im Zustand einer permanenten Neurose zu halten; also permanent schon pathologische Züge des Verfolgungswahns zu triggern“.


Heute erlebten wir eine besonders gefährliche Mischung. Denn durch das Internet und die sozialen Medien treffe „technische Perfektion“ auf inhaltliche Überdrehtheit – „die Inhalte werden immer abstruser“, meint Weiß. Was also gegen rechtsradikale Politik tun?

Aufklären statt mit Kadern Sprechen

„Adorno hat da eine sehr klare Meinung“, konstatiert Weiß. „Er sagt, an einer vernünftigen Auseinandersetzung besteht auf rechtsradikaler Seite kein Interesse. Es geht ihnen um die Technik der permanenten Überreizung. Das heißt aber nicht, dass keine Auseinandersetzung stattfinden soll.“ Daran habe sich auch heute mit Blick auf den gegenwärtigen Rechtspopulismus etwa der AfD nichts verändert:
„Meine Position ist klipp und klar: Ich adressiere Menschen. Ich sehe aber keinen Sinn in der Auseinandersetzung mit Kadern. Wer sich mit Kadern beispielsweise auf ein Podium setzt, der wertet diese Leute tatsächlich auf. Es ist aber unabdingbar, deren Argumente öffentlich rational zu widerlegen.“

„Appelle an die Menschlichkeit bringen nichts“

Auch Adorno gibt im Vortrag von 1967 eine Empfehlung zum Umgang mit rechtsradikaler Politik:
„Man soll nicht in erster Linie mit ethischen Appellen an die Humanität operieren. Denn das Wort ‚Humanität‘ selber und alles, was damit zusammenhängt, bringt die Menschen, um die es sich handelt, zum Weißglühen – wirkt wie Angst und Schwäche. Das einzige, was mir etwas zu versprechen scheint, ist, dass man die potentiellen Anhänger des Rechtsradikalismus warnt vor dessen eigenen Konsequenzen, dass man ihnen klar macht, dass diese Politik auch seine eigenen Anhänger unweigerlich ins Unheil führt.“
Volker Weiß hält Adornos Einschätzung auch mit Blick auf die Gegenwart für richtig. „Wenn man sich solche barbarischen Momente ansieht, wie etwa die ‚Absaufen-Rufe‘ bei einer Pegida-Demonstration – da ging es um Seenot-Rettung –, sieht man Adorno bestätigt. Auch an der ewigen Rede von den ‚Gutmenschen‘ kann man sehen: Die Appelle an die Menschlichkeit bringen tatsächlich nichts. Man kann aber deutlich machen, wohin es führt, wenn die europäische Integration verschwindet; man kann aufklären, wohin der Nationalismus führt – dass das keine neue Friedensordnung, weder europäisch noch global, sein wird. Aufklären über den Preis dieser Weltanschauung ist absolut unabdingbar“.

Dienstag, 11. September 2018

115 Jahre Theodor W. Adorno

hat heute Geburtstag - und daran wollen wir Erinnern.
Theodor W. Adorno (* 11. September 1903 in Frankfurt am Main; † 6. August 1969 in Visp, Schweiz; eigentlich Theodor Ludwig Wiesengrund) war ein deutscher Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker und Komponist. Er zählt mit Max Horkheimer zu den Hauptvertretern der als Kritische Theorie bezeichneten Denkrichtung, die auch unter dem Namen Frankfurter Schule bekannt wurde. Mit Horkheimer, den er während seines Studiums kennengelernt hatte, verband ihn eine enge, lebenslange Freundschaft und Arbeitsgemeinschaft.

Montag, 23. Oktober 2017

Theodor W. Adorno

Theodor W. Adorno (* 11. September 1903 in Frankfurt am Main; † 6. August 1969 in Visp, Schweiz; eigentlich Theodor Ludwig Wiesengrund) war ein deutscher Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker und Komponist. Er zählt mit Max Horkheimer zu den Hauptvertretern der als Kritische Theorie bezeichneten Denkrichtung, die auch unter dem Namen Frankfurter Schule bekannt wurde. Mit Horkheimer, den er während seines Studiums kennengelernt hatte, verband ihn eine enge, lebenslange Freundschaft und Arbeitsgemeinschaft.
Adorno wuchs in behüteten, großbürgerlichen Verhältnissen in Frankfurt auf. Als Kind erhielt er eine intensive musikalische Erziehung, und bereits als Schüler beschäftigte er sich mit der Philosophie Immanuel Kants. Nach dem Studium der Philosophie widmete er sich der Kompositionslehre im Kreis der Zweiten Wiener Schule um Arnold Schönberg und betätigte sich als Musikkritiker. Ab 1931 lehrte er zudem als Privatdozent an der Frankfurter Universität bis zum Lehrverbot 1933 durch die Nationalsozialisten.
Während der Zeit des Nationalsozialismus emigrierte er in die USA und wurde dort offiziell Mitarbeiter des Instituts für Sozialforschung, bearbeitete einige empirische Forschungsprojekte, unter anderem über den autoritären Charakter, und schrieb mit Max Horkheimer die Dialektik der Aufklärung. Nach seiner Rückkehr war er einer der Direktoren des in Frankfurt wiedereröffneten Instituts. Wie nur wenige Vertreter der akademischen Elite wirkte er als „öffentlicher Intellektueller“ mit Reden, Rundfunkvorträgen und Publikationen auf das kulturelle und intellektuelle Leben Nachkriegsdeutschlands ein und trug – mit allgemeinverständlichen Vorträgen – gewollt und mittelbar zur demokratischen Umerziehung des deutschen Volkes bei.[1]
Adornos Arbeit als Philosoph und Soziologe steht in der Tradition von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Karl Marx und Sigmund Freud. Wegen der Resonanz, die seine schonungslose Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft unter den Studenten fand, galt er bei Befürwortern und Kritikern als einer der geistigen Väter der deutschen Studentenbewegung. Obwohl er die Kritik der Studenten an den restaurativen Tendenzen der spätkapitalistischen Gesellschaft teilte, stand er den Aktionen der Studentenbewegung wegen der offenen Regelverletzungen und der Bereitschaft zum Gewalteinsatz mit Befremden und Distanz gegenüber. https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_W._Adorno

Der antiamerikanische Triumphator Trump | Der Staat bin ich und noch vielmehr | Kann man das noch aufhalten

Was macht Trump und was kommt danach - wird alles dann noch schlimmer    Lange waren sich die klugen Leute, von ganz links bis ganz rechts, ...